Sicherheitsanforderungen beim Straßentransport

Sicherheitsvorkehrungen gegen Diebstahl und Raub bei Frachtführern unterscheiden sich noch immer erheblich. Selbst hochwertige Güter werden oftmals ohne angemessene technische Vorkehrungen zur Sicherung des Gutes gegen Diebstahl und Raub transportiert. Versender und Spediteure sollten darauf achten, dass die Best Practices der Branche eingehalten werden. Im besten Fall sollte der Frachtführer zertifiziert sein.

Immense Schäden bei Unternehmen und Versicherern

Schon im Jahr 2007 ergab eine Studie des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments, dass der Schaden für Transportunternehmen und Versicherer aufgrund des Diebstahls von Ladung in Europa mit über 8,5 Millionen Euro zu beziffern ist. Seitdem nimmt die Anzahl an Diebstählen und Raubüberfällen auf LKW und deren Ladung stetig zu.

Methoden der Täter

Die Täter wenden dabei unterschiedlichste Methoden an. Die Bandbreite reicht von sehr simplen Diebstählen aus der offenstehenden Ladefläche eines Transporters bis hin zu langwierig geplanten und aufwendigen Raubüberfällen auf einen Lastzug.

Dabei sind vor allem folgende Methoden häufig zu beobachten:

  • Diebstahl von der offenen Ladefläche oder aus einem Lager
  • Unterschlagung oder Diebstahl durch die Fahrer
  • Trickdiebstahl beim Absender oder Empfänger durch Vortäuschen einer anderen Identität oder anderen Täuschung
  • Aufschlitzen von Planen auf Rastplätzen oder Einbruch in den Auflieger
  • Gewalttätiger Überfall auf den Transport oder den Fahrer, Raub

Immer häufiger werden dabei auch ganze Lastzüge oder zumindest Auflieger samt Ladung entwendet. 

Täter nutzen Leichtgläubigkeit, Unkenntnis und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen

Der Preisdruck und die hohe Konkurrenzdichte zwingen Unternehmen dazu, Transport- und Logistikdienstleistungen so günstig wie möglich anzubieten. Dies darf jedoch nicht zu Lasten der Sicherheit und der Zuverlässigkeit der angestellten Fahrer und Mitarbeiter gehen. Diebstähle, Betrug und Raub lohnen sich für die Täter an keiner anderen Schnittstelle so sehr wie beim Transport von Gütern. Nirgendwo sonst ist es möglich, mit solch geringem Aufwand eine so große Anzahl von neuwertigen Gütern zu entwenden.

Frachtführende Unternehmen sollten daher auf die Einhaltung von branchenüblichen Sicherheitsvorkehrungen achten. Hierbei muss der Wert der zu transportierenden Güter mitberücksichtigt werden. Je kostbarer oder diebstahlsgeeigneter die Güter sind, desto mehr Maßnahmen zur Sicherung des Transports sollten ergriffen werden.

Keine klaren Vorgaben für Sicherheitsstandards

Der Branche fehlen klar formulierte Standards für die Sicherung des Straßengüterverkehrs. Dies macht es Versendern und Absendern schwerer, die Einhaltung bestimmter Sicherheitsvorkehrungen zu erkennen. Oftmals bestimmen die Versicherer der Unternehmen, welche Vorkehrungen auf bestimmten Transporten getroffen werden müssen. Es liegt dann jedoch an den jeweiligen Unternehmen, zu prüfen, ob diese Standards auch eingehalten werden. Andernfalls kann der Versicherungsschutz entfallen.

Sicherer wäre es jedoch, branchenweite Standards einzuführen. An diesen könnten sich sowohl Frachtführer als auch Versender orientieren.

Transport Asset Protection Association (TAPA) Trucking Security Requirements (TSR)

Seit 1997 besteht die Transport Asset Protection Association (TAPA). Die Tapa ist ein Zusammenschluss von über 600 internationalen Herstellern, Logistikdienstleistern, Frachtunternehmen und anderen Akteuren aus der Transport-Branche. Die TAPA entwickelt und veröffentlicht regelmäßig sog. Best-Practices für die Sicherung von Ladungen und Gütern. Für den Straßengüterverkehr werden die Trucking Security Requirements (TSR) veröffentlicht, welche in der neuesten Auflage aus dem Jahr 2017 hier (in englischer Sprache) zu finden sind.

Die TSR bieten in tabellarischem und übersichtlichem Format einen detaillierten Blick über sämtliche Sicherheitsvorkehrungen, welche grundsätzlich oder bei bestimmten Transporten getroffen werden sollten. Dazu gehören unter anderem:

  • sorgsame Prüfung der Fahrer vor der Einstellung, insbesondere auf begangene Straftaten,
  • Schulung der Fahrer und Mitarbeiter,
  • Nutzung von Koffer-Aufliegern statt Aufliegern mit Plane,
  • Wegfahrsperren,
  • 2-Wege Sprachverbindung auf gesamter Fahrtstrecke,
  • Standortüberwachung, z.B. per GPS, sowohl in der Zugmaschine als auch im Auflieger,
  • Alarmsysteme, auch sog. silent alarm,
  • durchgehende Routenplanung ohne unnötige Stopps,
  • Besetzung mit zwei Fahrern,
  • Nutzung überwachter Parkplätze,
  • u.v.m.

Frachtunternehmen können auch die Einhaltung der TAPA TSR zertifizieren lassen. Dies stellt für die beauftragenden Unternehmen selbstverständlich die größte Sicherheit dar.

Zur eigenen Sicherheit: Vorgaben machen und einhalten

Selbst wenn von einer Zertifizierung abgesehen wird, sollten alle beteiligten Unternehmen darauf achten, dass die Standards der TAPA weitestgehend eingehalten werden. Insbesondere bei wertvoller Ladung stehen die hiermit verbundenen Mehrkosten in keinem Verhältnis zu den Kosten einer späteren Ermittlung, dem anschließenden Gerichtsverfahren und etwaigen Vergleichsverhandlungen im Falle eines Verlustes der Ladung. Insbesondere die Versicherer sollten auf die Einhaltung der Standards achten und diese aktiv von ihren Versicherungsnehmern einfordern.

 

Haben Sie Fragen zu diesem Artikel oder selbst einen Fall von Verlust oder Beschädigung von Ladung? Dann schreiben Sie uns über das Kontaktformular in der Seitenleiste oder per Mail an info@transportrecht-anwalt.de. Wir beraten und vertreten Sie gerne.

Rechtsanwalt Ray Migge

Der Autor ist Rechtsanwalt in der Kanzlei RMi-legal in Düsseldorf und Mitbetreiber des Fachportals www.transportrecht-anwalt.de. Rechtsanwalt Ray Migge ist spezialisiert auf Transport- und Speditionsrecht.

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